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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Siebentes Kapitel

und sagte mir Sottifen, die ich als Herr des Hauses mit vielNachsicht zurückwies, um es nicht zu einer peinlichen Szene kommenzu lassen. Scudos Auftreten war uns allen sehr sonderbar vor-gekommen, da er sonst, wenn anch sehr von sich eingenommen,doch gute Manieren hatte. Er blieb den ganzen Abend, an demnoch viele Besuche kamen; ich ignorierte ihn. Als die Gäste wegwaren, erzählte mir meine Frau, er habe sie in ein langes Ge-spräch verwickelt und im Laufe desselben, sich stolz in die Brustwerfend, zu ihr gesagt: Sie sehen in mir den glücklichsten Menschendes ganzen Erdenrundes. Am folgenden Abend hörten wir, daßScndo in der Nacht einen Anfall von Raserei bekommen habeund in eine Irrenanstalt gebracht worden war. Er ist auch nichtmehr aus ihr herausgekommen. An ihm, wie an dem oben ge-schilderten Fall in Baden-Baden hatte ich den Ausbrnch deseigentlichen Größenwahnsinns in zwei verschiedenen Formen erlebt.Es war mir beschieden, noch ein drittes Mal den Znsammenbrncheiner Intelligenz unter meinen Augen in die Erscheinung tretenzu sehen, und das war bei weitem der schmerzlichste und tragischsteFall.

Ich war der erste, welcher gewahr wurde, daß in Laskers Kopfetwas in Unordnung war. Diesmal aber war es eine andereArt von Störuug, mehr ein Versagen der Denkkraft, die mitGrößenwahn nichts gemein hatte. Laskers Gehirnkrankheit warnach aller Vermutung die späte Folge des furchtbaren Typhus,den er im Jahre 1874 durchgemacht, und hinzukam, daß erseinem Kopf nicht die hinreichend lange Ruhe gelassen hatte, alser dann in die Kommission zur Beratung der Zivilprozeßordnungeintrat, der er sich mit seiner ganzen Arbeitsenergie hingab.

Unter den zahlreichen Virtnosen, die in Rosenhains Salon anmir vorüberzogen, ist mir einer deswegen besonders in derErinnernnggeblieben, weil etwas an ihm Erlebtes mir noch oft Stoff zum Nach-denken gegeben hat. Es war der Geiger Sivori. Er trug einStück vor und brach mitten im Spiel ab und erklärte, er müsseaufhören. Vom Hausherrn auf die Seite genommen und um dieUrsache dieses auffallenden Benehmens befragt, antwortete er inlebhafter Erregung: es sei ihm zu wenig applaudiert worden, voreinem so kühlen Pnbliknm könne er nicht spielen. Der Beifall