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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Siebentes Kapitel.

Im zweiten Sommer nach dem Anfang, als gerade dasGanze für den Augenblick in ein erträgliches Stadinm zu kommenschien, reiste ich nochmals mit meiner Frau nach Varallo .Diesmal ging die Reise über Marseille ganz mit der Bahn, umvon da zu Schiff nach Genua zu fahren. Ich war natürlich miteinem wohl visierten Paß versehen, den mir die PariserPräfektnr freundlich ausgestellt hatte. Im Moment des Ein-schiffens mußte ich ihn vorzeigen. Der Polizeikommissar forschteaber vergeblich nach der Erwähnung des mich begleitenden weib-lichen Wesens. Es war mir nicht im Traum eingefallen, daßdiese Begleitung auch ihrer Legitimation bedürfe. Da hieß esuuu, diese sei unentbehrlich. Vergeblich stellte ich vor, daß diein meinem Paß bescheinigte Ehrbarkeit doch auch für meine Frauausreichen müsse. Aber der schlaue Polizist erwiderte, daskönnte doch möglicherweise die Frau eines anderen sein, die ichentführen wollte.

Ich entgegnete, daß dem Beraubten dann gewiß nicht darangelegen sein würde, eine solche Dame zurückzuhalten. Aber allemeine Dialektik half nichts. Zum Glück war noch eine Stundebis zur Abfahrt. Ich warf mich rasch in einen Wagen, fuhr zudem angesehensten unserer Korrespondenten und erwirkte mit seinerHilfe, daß wir gerade noch über Hals und Kopf an Bord ge-langen konnten.

Nachdem wir es endlich soweit gebracht hatten, daß Gewinnungund Aufbereitung des Erzes und Verfrachtung in Gang waren,stellte sich allmählich eine Preiserniedrigung ein, welche alleRentabilität wieder umwarf. An verschiedenen Punkten, bis inentfernte Weltteile hinein entstanden Nickelgruben, das Erz, auchdas aufbereitete, war bald so angeboten, daß kein Känser mehrzu finden war. Nun ward man natürlich einen Schritt weitergetrieben. Um die Waare eher an den Mann zn bringen, mnßteman das fertige Metall herstellen. Das an Ort und Stelle zubewerkstelligen, fehlten alle Vorbedingungen. So entschloß mansich, einen Hochofen für den Zweck in Belgien zu errichten. Ganzin der Nähe von Lüttich , im sogenannten Valbenoit, ward einAnwesen gekaust und zur Verhüttung des Erzes eingerichtet, dasüber Antwerpen dahin geschafft wurde. Natürlich mußte auch