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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
408
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Siebentes Kapitel.

folgten. Was in acht Jahren nicht gelungen war, brachten dievier nächsten ein. Als 1866 die Stunde für die Rückkehr nachDeutschland schlug, war ich soweit, daß ich ganz gnt von meinenRenten leben konnte. Wenn einmal die erste Ansammlung ge-lungen ist, kommt das übrige bei guter Bewirtschaftung leichtnach. Auch hier heißt es: il r>'z^ a ls xrsmisr pW c^ui coütö.

Als der Erinnerung wert bemerke ich noch einen Passus ausder zusagenden Antwort meines Onkels, in dem er sagt: Es seizwar richtig, daß ich allein die Last der Geschäftsleitung trage,aber ich erschwerte mir sie, indem ich mich nebenher mit Schrift-stellerei uud Politik abgebe. Er verstehe zwar sehr gut, daß ichdarauf großen Wert lege, aber ich möge doch nicht verkennen, daßdavon ein Teil meiner geistigen Spannkraft absorbiert werde, dieandernfalls dem Geschäft zu gute kommen würde.

Am Tage, au dem ich dieses Allotriieren mir vorhalten lassenmußte, erhielt ich einen Brief von Ludwig Pfau , der sich damalsin Belgien aufhielt. In demselben heißt es zum Schluß:InDentschland gährt es wieder und auch mir brechen alte Wundenauf. Es wäre Zeit, daß auch wir wieder gehörig drein führenin das halt- und planlose Gedusel in Deutschland . Haben Sienoch nicht genug Reichtümer zusammengerafft, um wieder einmalins Zeug zu gehen? Was ist das Leben ohne Geisteskampf!"Allerdings hatte ich nichtReichtümer genug" zusammengebracht,und es war gut für meiue künftigen Geisteskämpfe, daß ichnoch ein paar Jahre darauf verwendete, meiner persönlichenUnabhängigkeit die Grundlage zu bereiten, die mir dann erlaubte,im entscheidenden Momente mich wieder am Geisteskampf mitEinsetzung der ganzen Thätigkeit zu beteiligen. Und nicht nnrfür meine ökonomische Freiheit waren die Jahre bis zumAugenblick des großen deutschen Wendepunkts 1866 not-wendig, sondern auch für die Abrundnng meiner Lehrjahre anfdem Boden des Landes, in das mich mein Lebenslanf geführthatte. Erst wenn man eine Zeitlang mit deu Menschen undZuständen sich vertraut gemacht hat, reift mit wachsendem Ertragdie Kenntnis und Erkenntnis; die letzten Jahre trugen mit geome-trischer Progression die Früchte der vorangegangenen in dieScheune. So verhielt es sich mit meinem Einblick in das große