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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Siebentes Kapitel.

auch die döts uoirs dieser Art von Leuten, und da sie durch meinKabinett mußten, um zu meinem Onkel zu gelangen, so that ichdas Mögliche, um ihrem Eintritt Hindernisse in deu Weg zulegen.

Wenn dann manches, was dieser Art unternommen wurde,mißriet, so gelang auch wieder anderes, besonders dank der Be-harrlichkeit und unerschöpflichen Kombinationsgabe, mit welcherder erfindungsreiche Kopf des Onkels sich aus jeder Verlegenheitzu helfen wußte.

Um ein Beispiel zu geben, verfiel er eines Tages, und zwarganz aus eigener Eingebung, auf den Gedanken, einen großenGasthof. auf einem in der Nähe der Chaussse d'Antin znm Kaufausgebotenen Terrain zu erbauen und denselben mit einem Theaterder Art zu verbinden, daß dieses in dem Souterrain (Keller-geschoß) untergebracht würde. Wirklich brachte er diese Lieblings-idee zur Ausführung, uud zwar nicht für Rechnung des Geschäfts-hauses, weil diesem die Natur des Unternehmens doch zu fern lag,sondern für seine Privatrechnung. Und der Gasthos, das bekannteMtöl äs I'^tlisuss in der Rne Scribe, existiert noch heute undwahrscheinlich für lange noch, denn es ist ein sehr rentables Geschäftgeworden und wirst den Kindern und Enkeln, in deren Eigen-tum es verblieben ist, eine sehr schöne Rente ab. Das Theateraber ist nie recht in Blüte gekommen, mit der Zeit eingegangen,nnd der Raum wird jetzt als Nestaurationssaal für das Hotelverwertet.

Eigentlich sollte es auch ursprünglich kein Theater sein,sondern ein Mittelding zwischen diesem und einem Hörsaal. Eswar die Zeit, wo die sogenannten Louksrölloss, die Einzelvorträgeaus den verschiedensten Gebieten in Mode kamen, und da meinOnkel ein großer Freund von solchen instruktiven Veranstaltungenwar, so bestimmte er die Räume in erster Reihe für solche Zwecke.Doch sollten sie auch für Konzerte und szenische Aufführungendienen, und daher wurde nach sorgsamem Prüfen auch der Nameeines Athenäums dafür gewählt.

Es war ganz wie ein Theater erbaut, eine Bühne, ein Parketund eine elegante Logenreihe, alles höchst behaglich und geschmack-voll. Im Anfang wurden nur Vorlesungen darin gehalten. Ich