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Wie dem abenteuerlichen Lüderitz, so lieh früher einmalder Fürst einem Architekten, namens Scharrath, Gehör, welcherdas Urbild eines Erfinders nnd Projektenmachers von Professionwar nnd leinen mit dieser Menschensorte Bekannten auch nureinen Augenblick über diese seine Spezialität im Zweifel lassenkonnte. Eine der Lieblingsideen dieses Phantasten war eineErfindung, die er die der Porenventilation nannte. Die meistenReichstagsabgeordneten der ersten siebenziger Jahre erinnern sichgewiß noch an jene auffallende Gestalt, welche das Foyer und dieganze Umgebung des Reichstags mit ihren Zudringlichkeiten un-sicher machte. Auch in die Privatwohuuug verfolgte einen dasGespenst, und ich hatte noch lange Jahre nach seinem offiziellenMißerfolg mich gegen ihn unerbittlich abzusperren.
Die Katastrophe kam so. Das Arkanum seiner Poren-ventilation bestand nämlich darin, daß für den richtigen Luft-wechsel in bewohnten Räumen die Wände mit einem dem Poren-system der menschlichen Haut entlehnten Apparat versehen werdensollten. Natürlich war er mit diesem sich von vornherein alsverrückt präsentierenden Vorschlag zunächst beim Reichskanzlereingekommen. Dieser litt nnn von jeher unter der Temperaturdes Sitzungssaales. Bald war es ihm zu warm, bald war es ihmzu kalt, je nach Temperatur und persönlichem Befinden. So ließer sich beschwatzen, einem Versuch mit der Porenventilation seineZustimmung zu erteilen. Eines Mittags, es war gerade einerder kältesten Wintertage, erschienen die Abgeordneten im Sitzungs-saal, in dem jedoch eine so sibirische Kälte sie erfaßte, daß jederalsbald wieder entsetzt hinausstürzte. Eine Sitzung zn halten,daran war nicht zu denken, und der Präsident mußte kurzerhandvertagen. Im ersten Augenblick glaubten wir, es sei dem Heiz-apparat irgend ein Unfall zugestoßen. Aber nachträglich erfuhrenwir, daß über Nacht Herr Scharrath ans Werk gegangen war,seine famosen Poren anbringen zulassen. Ob das Präsidium desReichstags dabei zu Rate gezogen worden, ist mir nicht mehrerinnerlich.
Anch zu dem Versuch, die Godefroyfchen Plantagenunter-nehmungen von Reichswegen mit neuen Mitteln zu versehen, warder Fürst auf diesem Weg, dnrch ihm beigebrachte chimärische
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