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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Siebentes Kapitel.

Geschenk machte, was natürlich sofort berücksichtigt ward. ImLanf der Zeit ergab es sich auch noch, daß er im Besitz einerjener zahlreichen Bildersammlungen alter Meister war, die einenunschätzbaren Wert besitzen, bis es sich darnm handelt, sie zu ver-werten, wobei sich schließlich herausstellt, daß sie höchstens um deuPreis des Rahmens zu verkaufen sind. Diese Sammlung schickteer nach Paris und erbat sich unsere Vermittlung, um sie alsseltene Kunstwerke an den Mann zu bringen. Sie hatten aberkein besseres Schicksal als nnsere Nickelwerke.

Nachdem etliche Wochen mit dem Abschluß der Geschäfte nndden ersten technischen Einleitungen verstrichen waren, reiste ichmit meiner Frau, um etwas Italien zu sehen, nach Genna. Indieser Zeit war dort gerade die Cholera sehr heftig ausgebrochen.Wir ließen uns aber in unserer jungen Reiselust nicht irremachen und fuhren ruhig in die Stadt hinein, obwohl uns ganzeZüge von Särgen daraus entgegenkamen. Im Hotel Federwaren wir die einzigen Gäste. Auch das machte uns nicht irre,und wir ließen uns im Vertrauen auf unsern Stern sogar Obstund Gefrorenes sehr gut schmecken. Nach einigen Tagen be-schlossen wir, uoch Nizza aufzusuchen, obwohl sich die Choleraauch schon dahin gezogen hatte. Die Fahrt ging mit dem Eil-wagen die ganze Riviera entlang. Es war gegen Ende Augustund schrecklich heiß, noch mehr staubig. Wir hatten Plätze im Coups,aber trotz der Hitze war der Staub stellenweise so furchtbar, daßwir lieber vor Hitze als vor Staub ersticken wollten. Wir saßen,meine Frau am einen, ich am anderen Fenster, jeder mit demdasselbe öffnenden und schließenden Zugriemen in der Hand, um,je nachdem die Hitze zu arg wurde, zu öffneu, oder, wenn der Staubzu dick wurde, wieder zu schließen. So ging es den ganzen langenTag; die Nacht brachte Erleichterung. Man brauchte damalsvierundzwanzig Stunden für die Reife. Am Morgen in Nizza angekommen, fanden wir auch da das Hotel von allen Fremdenverlassen, freuten uns aber nach der mühseligen Fahrt, einegehörige Ruhepause zu machen. Kaum hatte ich ein Badund ein Frückstück genommen und wollte jetzt mein Daseingenießen, so erhielt ich ein Telegramm ans Paris , daß ich wegeneines plötzlich eingetretenen Bedürfnisses so schnell als möglich