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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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375
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Paris . 375

licheu Natur und einem ganz leidlichen Albergo vortrefflich schmecken.Das Bergwerk hatte das Eigentümliche, daß es nicht in derTiefe, sondern auf dem Gipfel eines ziemlich hohen Bergkegelslag. In den ersten Tagen wurde die Ortsbesichtigung unter-nommen. Unter Führung des jungen Baglioni und einigereingeborenen Bergleute machten wir drei, meine Frau wollte inder Begeisterung alles mitthun, den sehr schweren Aufstieg. EinenWeg gab es nicht. Selbst der Esel, den wir zur Nothilfe fürden weiblichen Teil der Expedition mitnahmen, hatte schwereArbeit, um voranzukommen. Als Obdach gab es nach vielenStunden heißen Emporklimmens nur ein aus Brettern notdürftighergestelltes Blockhaus. Wir waren so übermüdet, daß keinervon uns in der Nacht ein Auge schloß. Am anderen Morgenging es an die Ortsbesichtigung. Es waren schon eine Reihevon Stollen und Gängen angebrochen, und auf einer Haldelagen auch große Haufen metallschimmernden Erzes aufgeschichtet,wenn ich mich recht erinnere, weil das arsenhaltige Nickel haupt-sächlich mit Schwefelkies verbunden war. Baglioni erklärte unsnun, wie nach untrüglichen Anzeichen das Erz sich in unend-liche Breiten und Tiefen fortsetzen müsse, und nicht bloß ich,sondern auch mein sachkundiger Begleiter war von der Evidenzdieser Thatsache überzeugt. Danach ging es wieder bergab,womöglich noch schwieriger als hinauf. Noch viele Tage laugmußten wir gegenseitig über unseren Anblick lachen, denn wirwaren am folgenden Morgen in allen Gliedern so steif, daß wirweder gehen noch sitzen konnten.

Diese Ruhezeit benutzte ich, um einige Gesetze über piemonte-sisches Bergrecht zu studieren, die ich mir verschafft hatte. Dannwurde uuter der Oberaufsicht der königlichen Bergwerksbehördedas Rechtsgeschäft geordnet, dessen legale Beschaffenheit uus zwarspäter auch noch einige unangenehme Überraschungen bereitete,aber lange nicht solche uud so viele wie der technische Betrieb.Der königliche Oberingenieur in Novara, der an der Spitze desBergamtes stand, war ein sehr angenehmer und nach italienischenBegriffen ehrenfester Mann. Das hinderte nicht, daß wir belehrtwnrden, es würde für alle künftige Verwicklungen nichts schaden,wenn man ihm etwa ein kostbares silbernes Kaffeeservice zum