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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Siebentes Kapitel.

Ingenieur von etlichen zwanzig Jahren, den zwei geriebeneItaliener in die Arbeit nahmen, konnte, beim Eifer seine erstenSporen zn verdienen, nicht umhin, nachdem er einige Stndienangestellt hatte, sich für die Sache zu begeistern, und meine vonder Neuheit derselben gereizten Patrone bissen wirklich darauf an.

Es wurde ein vorläufiger Vertrag mit den Baglionis ab-geschlossen. Das weitere sollte an Ort nnd Stelle geordnetwerden.

So ward entschieden, daß der englisch -belgische Ingenieurals Fachmann und ich als juristischer und geschäftlicher Beiratfür die betreffenden Rechtsgeschäfte uns uach Oberitalien begebeusollten. Mir paßte das natürlich über alle Maßen. Ich hattevon Frankreich noch nichts als Paris und von Italien gar nichtsgesehen. Es wurde mir gestattet, meine Frau mitzunehmen, nndim Juli 1856 traten wir drei die Reise an.

Mit der Eisenbahn konnte man damals nur bis Lyonfahren. Von da gings mit dem Eilwagen über den Mont Cenisnach Turin und von da über Novara nach dem StädtchenVarallo im Valfesia, wo die Mine lag; ein wundervolles Thalin herrlicher Gegend, sechsährender Mais mit Ölbänmen durch-setzt, zwischen denen ein Rebenwuchs sich wie festliche Be-kränzung hinschlang, ein Bild der Üppigkeit und vegetativerPracht, wie ich es bis nach Sizilien hinab später anch nichtschöner gesehen habe, das aber daznmal in seiner Neuheit nochganz besonders überwältigend ans mich einstürmte. Und selbstan Kunstgennß fehlte es nicht, denn Varallo ist der GeburtsortGaudenzio Ferraris, des Zeitgenossen und Freundes Raphaels,wie er ein Schüler von Perngino, und seine schönsten Freskensind in Hülle und Fülle in Varallo erhalten, in der LapsU«. clslsaZro inoutö und auf den Stationen dieses zu Bußprozessionenbestimmten Wallfahrtsberges.

Es war ein reizender Aufenthalt, und wir drei jnnge Leute ich war zwar schon 33 Jahre alt, aber das kommt mirnatürlich heute verdammt jung vor, besonders wenn ich an dieLebens- nnd an die Geschäftserfahrung zurückdenke, die ichdamals zu dem schwierigen und mir ganz unbekannten Beginnenmitbrachte, ich sage, wir ließen uns die Freiheit in dieser Herr-