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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Paris .

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Etwa im zweiten Jahr meiner Pariser Laufbahn erschienenans unsrem Bureau ein paar Originalfiguren italienischerNationalität, Vater und Sohn, mit Namen Baglioni.

Sie behaupteten, natürlich in grader Linie von dem be-rüchtigten Tyrannengeschlecht Perugias abzustammen, warenjedoch vou Geburt Bergamasken, d. h. italienische Gascoguer.Übrigens war es in alten Zeiten Brauch, daß die Klienten derVornehmen den Namen ihres Schutzherru annahmen, und dieserWeise sind viele große Namen im Gang geblieben. MeineBaglionis hatten die Spezialität des Aufspürens von Erzlage-rnngen im Gebirge, und sie hatten ihre Nachforschungen vonItalien bis ins Wallis , wo sie sich in Sitten niedergelassen,erstreckt. Diesmal kamen sie mit dem Angebot eines Bergwerksim Piemontesischen, uud zwar handelte es sich um Nickelerz. Daßes überhaupt ein brauchbares und verkäufliches Metall diesesNamens gab, wußteu wohl damals noch die wenigsten Menschenund noch wenigere, wozu es verwendet werde. So sah es auchin unserem Kabinett aus; ich hatte eine dunkle Erinnerung ausdem natnrgeschichtlichen Unterricht des Gymnasiums. Aus derersten Belehrung erfuhren wir, daß das Nickel vor allem zuNeusilber als Hauptbestandteil gebraucht werde, daß aber dieSchweizer Eidgenossenschaft seit kurzem eine Scheidemünze ein-geführt habe, die auf dies Metall basiert sei, welches auch ineinigen centralamerikanischen Staaten zu demselben Zweck diene.Die Verarbeitung der Nickelerze zu Metall war am meisten iuden Händen eines englischen Hanses namens Evans in Swanseaan der englisch -wallisischen Küste. Im ganzen war das Erz sehrselten nnd der Preis gegen den heutigen ein hoher.

Diesen Angaben in natürlich größerer Ausführlichkeit lag nunder Plan eines Bergwerks bei, dessen künftige Ergiebigkeit soberechnet war, daß es binnen knrzem einen großen Nutzen ab-werfen mußte. Der Zufall wollte, daß eiu junger Engländer,welcher in Lüttich auf der Bergschule als Minen-Ingenieur aus-gebildet war, sich der besonderen Gunst des Brüsseler Bischosfs-heim erfreute, uud nun wnrde dessen Sachknnde zu Rate ge-zogen. Ich vermute, daß er, abgesehen von der mineralogischenTheorie, auch blutwenig von der Sache wußte, aber ein angehender