380 Siebentes Kapitel.
Ausgabe von Scheidemünze ans diesem Metall zu der Zeit, als Endeder siebziger Jahre das Vorspiel der agrarisch-antisemitischenDemagogie begann, die erwähnte Legende meiner Nickelberg-werke, denen diese Münzen Gewinn verschaffen sollten, in Umlansgesetzt und uameutlich von einigen stöckerianischen Pfaffen ingroßem Maßstab ausgebeutet wurde. In einem Verleumdungs-prozeß zwischen einem dieser Pfaffen und einem Rheinischen Blattwurde ich sogar eiumal von dem Mainzer Gericht auf Requisitionals Zeuge darüber vernommen, ob sich die Dinge wirklich so ver-hielten. Das Merkwürdige ist, wie gesagt, nur, daß die Legendeaufkommen konnte, ohne daß einer ihrer Verbreiter jemals etwasvon ihrem wahren historischen Hintergrund erfuhr. Wievielschöner hätte sich die liebliche Nachrede dann noch ausstaffierenlassen!
Die Initiative zur Einführung der Nickelmünzen war von denmit der Ausarbeitung des Gesetzes betrauten Personen, ins-besondere von dem damaligen Präsidenten des Reichskanzler-amtes, Delbrück , ausgegangen, dem ich allerdings in den gelegent-lich darüber gepflogenen, ganz außeramtlichen Unterhaltungen,vollauf zugestimmt hatte. Die Münzart hatte sich in Belgien und in der Schweiz bewährt, auch die Vereinigten Staaten nahmen sie an. Ich bin auch uach wie vor der Ansicht, daß esein guter Griff war. Sie ist gar viel handlicher als die eng-lischen Kupfer- und die französischen Bronzemünzen. Selbstüber die Verwechslung zwischen dem Zehnpfennigstück aus Nickel und dem Fünfzigpfennigstück aus Silber, gegen die sich anfäng-lich viel Geschrei erhob, hört man nicht mehr klagen. Jedesmalwenn ich nach Frankreich komme nnd mich mit den schwerengroßen bronzenen Sonsstücken beschleppen muß, freue ich mich,daß wir dies Vorbild nicht nachgeahmt haben.
Die Geschichte meiner Erfahrung auf diesem Gebiet habe ichaber nicht hauptsächlich wegen ihres Zusammenhangs mit meinemAnteil an der deutschen Münzgesetzgebnng erzählt, sondern zurBeleuchtung der Erlebnisse auf dem Felde industrieller Schöpf-ungen, namentlich iu den Fällen, wo diese von unternehmungs-lustigen Kapitalisten ausgehen, die sich von den Technikern uudihren auf dem Papier glänzend stimmenden Berechnungen ver-