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Siebentes Kapitel.
Neuheit und für ein relativ jugendliches Alter, so fällt dasFacit des Ganzen entschieden günstig aus, und ich gedenke zu-gleich, daß in dem engeren Freundeskreise ein heiterer, zu frischemHnmor aufgelegter Ton herrschte. Gleichwohl steht mir aberdeutlich in der Erinnerung, daß ich, trotz alledem, einen Grund-ton innerer Unzufriedenheit nicht los wurde. Mein Sinn fürpolitisches und litterarisches Leben fühlte sich doch aus der Haupt-straße meiner Arbeit hinausgeworfen und auf Nebenwege an-gewiesen. Auf nicht deutschem Boden war aber zweifellosalle spätere Möglichkeit des Einlenkens versperrt. Ich empfanddamals noch nicht den Trost des großen Vorteils, welchen mirdiese Schulung durch das praktische Leben an Belehrung und auSicherung meiner ökonomischen Unabhängigkeit eintragen sollte.Erst die spätere Lebenszeit, als ich wieder nach Deutschland undin die Politik zurückkam, sollte mir diese Einsicht verschaffen; erstda lernte ich vollauf schätzen, wie die vermeintliche Widerwärtigkeitmeines Berufswechsels mir zum Segen gereichte, nnd manchmalgeriet ich nachträglich auf den Gedanken, daß ich mich in jenerPariser Zeit noch zufriedener gefühlt hätte, wenn ich vorans-gewnßt hätte, wie ich nach Jahren über sie denken würde.
Die hoffnungslose Stimmung, in der wir deutsche Flücht-linge in den letzten Regierungsjahren Friedrich Wilhelms IV. nach dem Vaterland hinblickten, ließ keinen Gedanken an dieMöglichkeit einer Rückkehr auskommen. Selbst die Beschäftigungmit deutscher Politik aus der Ferne erschien trostlos unfruchtbar.Auch die im Jahr 1858 vom Prinzen von Preußen angetreteneRegentschaft und die Veränderungen im preußischen Ministerium,welche sich daran knüpften, brachten uach unserer Auffassung indieser Richtung keine Wendnng zum bessern. Der Prinz war ausder älteren Zeit her, sowohl aus der von 1848 als aus derEpisode des badischen Ausstandes sür uns das Prototyp des un--beugsamen und bornierten Militarismus. Die unerbittlichenHinrichtungen, die in Baden uuler seinem Oberbefehl vollzogen^worden waren, lebten im frischen, greuelvollen Andenken.
Da kam plötzlich mit dem Neujahrstag des Jahres 1859eine Überraschung, welche eine unabsehbare Bewegung in Gang,zu setzen verhieß.