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geschäftliche Arbeit meine Zeit vollständig in Beschlag; die Auf-merksamkeit war durch die heftige politische Bewegung für dieKombinationen der Finanz noch ganz besonders in Anspruch ge-nommen. Der Sommerabend nach des Tages Arbeit war fürfreie Gedankenarbeit nicht zu brauchen. So blieb nichts übrig,als jeden Morgen in der ersten Frühe aufzustehen. Ich war aberso voll von meiner Sache, daß mich das kein Opfer kostete.Ohnehin ließ mich die Aufregung wenig schlafen. In dieserStimmung schrieb ich die Flugschrift „Juchhe nach Jtalia!",welche in dem dritten Band*) meiner gesammelten Schriften Platzgefunden hat. Sie trägt in ihrem Stil deutlich genug die Spurenleidenschaftlicher Erregung, aus der sie hervorging.
Der Titel spielte auf die bekannten Soldatenverkäufe deutscherFürsten am Ende des vorigen Jahrhunderts an. Das „Juchheuach Amerika!" war, wie die Berichte aus jener Zeit erzählen, derden an England verkauften deutschen Landeskindern einstudierteFreudenruf.
Die Broschüre konnte nur ohne Nennung meines Namenserscheinen, wenn sie nicht sofort polizeilichen Verfolgungen aus-gesetzt sein sollte. So weit war alles gut. Aber wo einen Verlagdafür finden? Sie außerhalb Deutschlands herauszugeben, wäreaus demselben Grunde, der meine Anonymität verlangte, un-praktisch gewesen. Meine Pariser Exilsgenossen, die fast alle sodachten wie ich, konnten keinen Rat schaffen. Nun wandte ich michnach Gens an Karl Vogt , der mir seine Absicht, etwas in gleichemSinn zu schreiben, mitgeteilt hatte. Er schrieb mir am 1. Juni,daß er sich durch die Vermittlung des Verlegers Fürler in Bern mit einem Frankfurter Buchdrucker in Verbindung gesetzt habe, dersich wohl bereit finden würde, auch meine Broschüre zu drucken.Natürlich müsse ich aber die Kosten tragen nnd die Einnahmendem Kommissionär überlassen. Ich ging auf das Anerbieten ein,und das „Juchhe" erschien anonym in „Vogts Verlag", gedrucktbei Reinhold Baist in Frankfurt am Main , wohin ich dasManuskript direkt einsandte. In demselben, vom 1. Juni datiertenBriefe, in welchem Vogt mir diese Vorschläge machte, hieß es am
*) 1895, Rosenbaum <K Hart.