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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Paris .

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die Sache in die Hand nahm. Das alles wickelte sich im Herbst1859 ab.

Nach langem Wählen und Prüfen ward als TitelDemo-kratische Stadien" beliebt. Ich machte mich nun an das Werbenvon Mitarbeitern, zunächst in der Emigration. Die Freunde, mitdenen ich den ganzen Plan verabredet hatte, sagten natürlich allezu, also Ludwig Simon von Trier , Moritz Hartmann undH. B. Oppenheim. Karl Vogt , mit dem ich schon in SachendesJuchhe" zusammengegangen war, trat sofort bei. FriedrichKapp in New-Iork war dann der nächste, an den ich michwandte. Wir standen damals ohnehin in fleißigem Briefwechsel.Ich hatte vielfach Aufträge von ihm in Angelegenheit der Bio-graphien der deutsch -amerikanischen Generale der Freiheitskriege,v. Kalb und v. Stenben, über welche aus französischen Privat-archiven, namentlich der Familie Broglie , Material zn gewinnenwar, das mir ihm zu beschaffen gelang.

Er fand sich sofort bereit, einen Beitrag zu liefern. VonFreunden unserer Sache, die in Deutschland lebten, trat zunächstAdolf Stahr bei. Ganz freiwillig meldete sich auf die ersteNachricht von unserem Plan der alte Hegelianer Professor Michelet in Berlin, und dieser forderte wieder Ferdinand Lassalle auf, dergerne darauf einging.

Das war eine Gesellschaft, die sich wohl gut sehen lassenkonnte. Es trat noch Karl Grün zu, der damals in Brüssellebte, und endlich fand sich ein Ungenannter, nm über Knrhesfenzu schreiben. Den letzteren Namen erfuhr damals nur Walesrode.Sein Beitrag:Knrhesfen unter dem Vater, dem Sohn und demEnkel", war ohne Zweifel der interessanteste von allen und erregtebeim Erscheinen das größte Aufsehen. Er wurde sogar später nocheinmal auf vielfaches Verlangen in einem Separatabzug verlegt.Die ganze Niedertracht der kurhessischeu Despotenwirtschaft wurdedarin von einem intimen Beobachter geschildert. Die Darstellungverdient noch heute, als Beitrag zur deutschen Fürstengeschichte,gelesen zu werden. Erst lange nachher ersnhr ich, wer der Ver-sasser war: Alfred Klauhold, 1848 im Märzministerinm in Kassel beschäftigt, dann 1850 nach Hamburg ausgewandert. Kapp be-handelte die damals dem Sezessionskrieg entgegenreifende Sklaven-