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Siebentes Kapitel.
Möglichkeit größerer Umwälzungen in Deutschland und daraus auchfür mich erstehender Folgen knüpfte. Indem sich mein Sinnwieder nach dieser Richtung hinwendete, verlegte ich mich immermehr aufs Nachdenken darüber, wie die Verbindung mit Deutsch-land zu erhalten und zu vervollkommnen sei. So entstand in mirder Plan, irgend ein Organ zu schaffen, in dem eine Anzahl derim Ausland bekannten Achtundvierziger in Verbindung mit Gleich-gesinnten zu Hanse ihren Einfluß auf die öffentliche Meinungmit einer gewissen Regelmäßigkeit auszuüben im Stande seinmöchten.
Das nächste war, die Sache mit den in Paris zusammen-lebenden Freunden zu besprechen. Dies waren Ludwig Simon,Moritz Hartmann und H. B. Oppenheim. Mein Vorschlag fandihren Beifall.
Da wir nicht darans eingerichtet waren, ein langatmigesperiodisches Geschöpf ins Leben zu rufen, so einigten wir unsdahin, ein Taschenbuch herauszugeben, das in zwangloser Folgein etwa Jahresabschnitten erscheinen könnte. Es mußte aber inDeutschland verlegt und folglich auch redigiert werden, und dieAusgabe, die nötigen Personen dazu zu finden, war keine leichte.Da kam mir der Einsall, Ludwig Walesrode möchte der richtigeMann sein. Persönlich kannte ich ihn nicht, aber sein Name hatteeinen guten Klang. Der Schauplatz seiner litterarisch-politischenThätigkeit war vor uud während der Revolution von 1848 Königs-berg gewesen, wo er zum engsten Kreise Johann Jacobys gehörthatte. Er hatte im Laufe der vierziger Jahre bereits mehrfachKonflikte mit den preußischen Behörden gehabt, und eine kleineSchrift: „Der Humor auf der Bank der Angeklagten", in welcherer diese Abenteuer schilderte, hatte in ganz Deutschland lebhaftenBeifall gefunden. Er führte eine feine, graziöse Feder, nnd daer seit dem Eintritt des reaktionären Rückschlags Königsberg ver-lassen hatte und nach Hamburg übergesiedelt war, so schiener auch den örtlichen Bedingungen nach ganz für die Sachegeeignet.
Ich machte ihm also diesen Vorschlag; er ging darauf einund fand auch einen willigen Verleger an Ort und Stelle in demBuchhändler Otto Meißner , der, selbst demokratisch gesinnt, gerne