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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Paris ,

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vom 22. Juni 1856, war eine genaue Orientierung über dieFrage, ob keine politischen Hindernisse dem im Wege stünden.Kann ich mir in Europa wieder einen Wirkungskreis eröffnen,so werde ich mich gerne der Möglichkeit dazu bedienen; ist es abernicht der Fall, so ist Zentral-Amerika der Teil der Welt, welchemich den Rest meines Lebens widmen werde. Deine Antwort wirdzur Entscheidung dieser Alternative beitragen." In demselben Briefwar die Mitteilung enthalten, daß Fröbel sich zum zweitenmalverheiratet habe, und zwar mit der Witwe von Florian Mördes ,meinem Heidelberger Studienfreund und Exilsgenossen, der gebore-nen Gräfin Armausperg. In demselben Brief heißt es darüber:Durch Zufall ist es vielleicht zu Deiner Kenntnis gekommen,daß ich mich unlängst wieder verheiratet habe. Meine Frau, diean das Leben in der warmen Zone gewöhnt ist, würde, wie ich,Zentral-Amerika den Vereinigten Staaten vorziehen, noch lieber,aber würde sie wohl in Paris leben."

Obwohl ich nicht von Paris abriet, zog sich dennochFröbels Entschluß noch einige Zeit hinaus, und als er schließlichnach Europa mit Frau und deren Sohn erster Ehe zurückkehrte,führte ihu die Suche uach einer neuen Aufgabe der WienerHofburg zu, die im Kampf mit Paris und Berlin lag. Späterversöhnte er sich dann wieder, wie ich schon anführte, mit Preußennnd infolgedessen auch mit mir, und wie ich überhaupt nichtaufsNachtragen" angelegt bin, so machte ich keine Schwierig-keiten, die alten Beziehungen wieder aufzunehmen, obwohl diePolemik, die er nach dem Erscheinen meinesJuchhe" und nochmehr nach dem der demokratischen Studien gegen mich geführthatte, mit ganz bösartigen und bewußtverlogenen Verdächtigungendurchsetzt war. Diese Polemik, sowie die noch viel häßlichere desÖsterreichers Kolaezek, werde ich demnächst bei der Geschichteder demokratischen Studien etwas näher zu schildern haben.

Der Gärungsstoff, welchen der italienische Krieg zurück-gelassen hatte, die in Preußen eingetretene Regentschaft und dieganze neue Bewegung, welche damit wieder auch iu die innerePolitik Deutschlands gekommen war, hielten mich, nachdem ichwieder in den litterarischen Kampf eingetreten war, natürlich indemselben fest, um so mehr, als ich an diese Voraussetzung die