397
Gang der Zeiten zu veralten, außerdem der Band statt, wie be-absichtigt war, zur Ostermesse, für die Hundstage herauszukommen.Wir beide erließen also ein fulminantes Schreiben an Wales-rode, worin wir unsere Beiträge zurückforderten und uns derenPublikation verbaten. Das endlich wirkte. In dem neuen, weh-mütigen Eutschuldigungsbries, der jetzt einlief, hieß es lakonischerWeise: unter Erscheinen zur Ostermesse verstehe man im Buch-handel in Wirklichkeit das Erscheinen nach abgelaufener Oster-messe! Schließlich Ende Mai wurde der Band durch Cirkularangekündigt. Mein Vorwort war vom Neujahrstag 1360 datiert!Das Buch kam Mitte Juui zur Versendung. Trotz der Ver-spätung und der ungünstigen Jahreszeit fand es gute Verbreitung.In kurzer Zeit waren von den zweitausend Exemplaren fünfzehn-hundert abgesetzt. Eine Zeitlang trugen wir uns sogar mit demsanguinischen Gedanken, eine zweite Auflage zu machen. AberHerausgeber und Verleger wehrten sich mit Recht dagegen.
In Kurhessen ward es natürlich sofort verboten. Aber auchmeine augestammte hesseudarmstädtische Obrigkeit widmete ihmihre Aufmerksamkeit.
Ich hatte meine Freiexemplare zur Verschickung an mich zu-nächst an die Geschäftsfirma meines Bruders nach Mainz sendenlassen. Dort wurde das Paket, als aus dem Ausland Hamburg kommend, auf dem Zollamte geöffnet und sofort mit Beschlag belegt.Es bednrfte energischer Bemühungen, um es schließlich zu er-laugeu. Da meldete Walesrode von Hamburg , auf Requisitiondes Mainzer Gerichtes sei die Hamburger Behörde aufgefordert,gegen Herausgeber und Verleger eine Untersuchung wegen Hoch-uud Laudesverrats einzuleiten. Billiger konnte es mein Freund,der Minister Dalwigk, nicht thun. Aber der Hamburger Senat ,der das Buch unbehelligt ließ, konnte sich die Darmstädter Auf-fafsnng nicht aneignen, und die Sache verlief im Sande.
Der gute Erfolg bestimmte uns, einen zweiten Band zu be-schließen. Im wesentlichen beteiligten sich dieselben Mitarbeiter,uur traten noch Arnold Rüge und der ehemalige preußische Offizier,später am Garibaldischen Feldzug beteiligte von Rüstow hinzu.Auch hier fehlte es nicht au Verzögerungen. Um der Langsamkeitvon Meißners Offizin zu entgehen, wurde mit verschiedenen Leip-