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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Siebentes Kapitel,

zigeru, namentlich Brockhaus und Wiegand, wegen des Drucksunterhandelt, aber sie wagten aus Rücksicht aus die politische Ge-fahr nicht, sich mit dem Druck zu beschäftigen. So erschien derzweite Band im Jahr 1861. Über seinen Absatz finde ich keineNotizen mehr, doch geht aus der Korrespondenz hervor, daß ergleichfalls viel gelesen ward. Dasselbe bezeugen auch eine Reihevon litterarischen Besprechungen, z. B. eine sehr ausführliche undanerkennende iu der von Robert Prntz herausgegebenen Wochen-schriftDeutsches Museum".

Im streng demokratischen Lager war die Ausnahme, trotz denSymptomen einer Hinneigung zu Preußen , eine günstige. Nureinige von der strengen Observanz vermißten nach einer noch heutebeliebten Melodie das formulierteProgramm"! Dieser Einwandbegegnete natürlich besonders dem ersten Band, und derselbe Sinnkam in einem Rundschreiben zu Tage, welches der damals nochin Zürich lebende, bald daraus im Wallensee ertrunkene HeinrichSimon aus Breslau , einer der bedeutendsten Männer des Frank-furter Parlamentes, an die Demokratie versandte.

Anlaß dazu gab der berüchtigte Vorfall in der hannoverischenKammer, bei dem der Minister von Borries einer im Sinne desNationalvereins lautenden patriotischen Manifestation damit gedrohthatte, daß die Einzelstaaten mangels Unterstützung des DeutschenBnndes sich zur Rettung ihrer Sonverainetät an die ausländischenMächte, womit hier Napoleon III. gemeint war, wenden würden.Darob erhob sich in der deutschen Presse ein großer Sturm. Hierananknüpfend, drückt sich der Aufruf Simons wie folgt aus:Gelegentlich des Ministers von Borries/

Es ist selbstverständlich, daß alle deutsche Ehrenmänner den gedrohtenVerrat verabschenen.

In bedeutender Zeit wird es aber neben der Zurückweisung einesfrechen Angriffs und anderer verwerflicher oder auch nur auseinander-gehender Bestrebungen zur Pflicht, die Fahne hochzuhalten, um die sichalle Vaterlandsfreunde einigen sollen. Sie wurde uns durch die Jahre1848 und l849 teuer errungen:

die deutsche Reichsverfassuug!

Beschlossen von dem gesamten deutschen Volke!

Seine erste Willenserklärung seit dem Beginn seiner Geschichte undbis hente seine letzte Willenserklärung.