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Sie ist die legitime Fahne Deutschlands und es giebt keine andere,bis das deutsche Volk in seinem zweiten Parlamente gesprochen hat;jede andere wirbt unwissentlich oder wissentlich der Sonderbündelei,nicht der Einigung Deutschlands .
Hinweg also mit allem leichtsinnigen Aufgeben schwer erworbenerRechte; hinweg mit allem Sonderwillen gegenüber einer großen geschicht-lichen Errungenschaft.
Preußen hat die Berechtigung und die Verpflichtung, diese legitimeFahne dem deutschen Volke vorzutragen. Eine nicht lang ausbleibendeschwere Zeit wird Preußen an seine Pflicht und an sein Recht mit derWucht der Thatsachen mahnen. Alle Vaterlandsfreunde aber sollen dasHereinbrechen derselben nicht abwarten, sondern gegenüber den ernstenVerhältnissen heute die Einberufung des deutschen Parlaments mit derAllgemeinheit und Beharrlichkeit fordern, die des Erfolges sicher ist.
Zürich , am Pfingstfvnnabend 1860.
Heinrich Simon.
Heinrich Simon schickte mir das Aktenstück mit freundlichenGrüßen zu.
Einen Empfang ganz anderer Art bereiteten unserem Buchdie alten achtuudvierziger Kameraden, welche in den Dienst desösterreichischen Premierministers Grafen Thnn getreten waren,Julius Fröbel uud Adolf Kolaczek.
Ich gehe jetzt hierauf näher ein.
Vogts, Oppenheims uud meine Schriften aus dem Jahr 1359hatteu fchou ihre Wut eutfacht und die Polemik eingeleitet; die„Demokratischen Studien" brachten sie auf den Siedepunkt. Kolaczekgab seit einiger Zeit die von Österreich subventionierte periodischeSchrift „Stimmen der Zeit ", heraus. In dieser erschien nuu ausseiner Feder ein langer Artikel unter der Überschrift: „DieJuchheisten", in welchem wir alle, und auch ich selbst iu der ge-meinsten Weise, verdächtigt wurden. Kolaczek war mit uns seitdem Jahre 1843 bis kurz vor seiner Umwandlung auf dem freund-schaftlichsten Fuß gewesen. Ich hatte an der „Deutschen Monats-schrift", die er 1850 gründete und etwa zwei Jahre fortführte,fleißig mitgearbeitet. Später fanden wir uns wieder in Paris zusammen, wo er bei Hartmann beinahe täglich verkehrte, inmeinem Hause als Freund aus- und einging und auf demselbenFuß mit allen anderen Freunden stand. Auch als er später nachAmerika ging, blieb er im Briefwechsel mit mir und anderen.