406 Siebentes Kapitel.
finde ich ein Konvolnt mit der Aufschrift: „Meine Vermögenslage1860 bis 1861"; da entdecke ich nnter anderem noch das Originaleines Vertrages, den ich am 2. Dezember 1859 mit meinem Ohnmund Chef zu dem Zweck abgeschlossen hatte, um für den Fallmeines Todes meiner Frau einen Unterhalt zu sichern, und wiebescheiden! Für den Fall, daß ich ihr nicht ein Jahreseinkommenvon 4000 Franken hinterlassen sollte, verpflichtete sich das HansBischoffsheim ihr eine jährliche Rente von 3000 Franken zu zahlen,bis sie durch anderweitige Umstände in bessere Verhältnisse ge-kommen sein würde. Das war das Resultat langen Kopf-zerbrechens und VerHandelns gewesen.
Die körperlichen Unbehaglichkeiten, welche im Jahre darauszum Ausbruch kommen sollten, hatten damals meiner Empfindungihre Vorboten gesandt, und der Gedanke, daß ich meine Fraumittellos zurücklassen könnte, verfolgte mich Tag und Nacht. Zwarhatte sie einen reichen Vater, mit dem anch damals die Versöhnunghergestellt war. Aber einerseits war zu jener Zeit sein Vermögenfür mich noch ganz in Dunkel gehüllt; andrerseits wagte ich beiseinem fabelhaften Geiz nicht auf seine väterliche Hilfe zn rechnen.Znerst verfolgte ich den Gedanken einer Lebensversicherung. Aberdas Studium aller möglichen Satzungen dieser Gesellschaften brachtemich zn der Überzeugung, daß ihre Bedingungen im Grunde fürden Versicherten höchst unvorteilhaft seien und ihr Dienst wesent-lich in einem Zwang zum Sparen dnrch die Einzahlungen liege,während derjenige, der moralische Selbstbeherrschung genug besitzt,um sich auch ohue Zahlungsverpflichtung das Nötige zurückzulegen,durch Ansammlung mit Zins anf Zins billiger zum Ziel kommt.Ich entschloß mich also lieber, jenen bescheidenen Vertrag mitmeinem Geschäftshaus abzuschließen, der eben wegen seiner Be-scheidenheit anch ohne Mühe durchgesetzt wurde.
Zwei Jahre später war es aber noch kaum besser mit mirbestellt. Aus einem acht Seiten in groß Quartformat geschriebenenBrief, dessen auf vergilbtem Kopierpapier abgedruckte Schrift heutenur noch wie ein Palimpsest mit Mühe zu entziffern ist, lese ichheraus, wie schwach es damals mit meinen Finanzen bestelltwar. Abermals hatte ich mich an den, zur Sommerszeit anfseinem Landhaus residierenden Chef des Hauses mit einer Vor-