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meiner Frau, die mich begleitet hatte, nach Montrenx, wo ich michlangsam, doch nicht ohne schwere Nachwehen kurierte.
Welches goldne Zeitalter der Wohlfeilheit war es doch nochdamals!
Ich hatte in der noch hente bestehenden Pension Vantier mitmeiner Frau ein Schlafzimmer uud einen kleinen, sehr komfor-tablen Salon nach dem Garten zu. Dafür und für die ganzeNahrnng und Bedienung, die tadellos waren, zahlten wir allesin allem täglich die Person vier uud einen halben Franken;notabene, ein sehr guter Montreux -Wein a äisorstwll war dabeiinbegriffen, nnd wenn manchmal Vogts oder Hartmanns zu Tischvon Genf herüber kamen, nahmen nns die trefflichen DamenVantier nichts dafür ab!
Jahre vergingen. Da faßen wir eines Tages bei mir in derLbaussöö in Paris zn Tisch. Karl Vogt war, wie öfter,
zum Besuch da. Die Nede kam anf meine alten Schmerzens-erinnernngen an Bad Lenk. Vogt brach in eines seiner donnerndenLachen ans und sagte: „Wissen Sie, was der verstorbene DoktorPelissier über die Heilkraft des Lenker Wassers zu sagen pflegte?Sie könne höchstens in der gegenseitigen Ausdünstung der darinBadenden bestehen!" — Wer und was mich dahin geführt hatte,wußte er natürlich nicht mehr!
Den ganzen folgenden Winter war ich gesundheitlich nochsehr übel dran. Insbesondere litt ich an schmerzhaften Blut-geschwüren, deren ich zu Zeiten in beiden Achselhöhlen zugleich hatte.
Währeud die letzten Zeiten mein Leben seinem Inhalt nachbefriedigend gestaltet hatten nnd meine geistige Regsamkeit nachden verschiedensten Seiten hin ihren Weg fand, war ich in derKonsolidierung meiner ökonomischen Verhältnisse in wahrhastkomischer Weise zurückgeblieben. Hätte ich nicht alle Belege sorg-fältig aufbewahrt, die ich in dem Moment, da ich dies nieder-schreibe, nach süusuuddreißig Jahreu wieder zn Rate ziehe, ichwürde es bei meiner heutigen glücklichen Vermögenslage selbstnicht glanben, daß ich damals nach sechsjähriger Thätigkeit an derSpitze eines so großen Bankhauses eigentlich noch ein armerSchlncker hatte bleiben können. Unter meinen alten Papieren