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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
382
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ZgZ Siebentes Kapitel.

tesische. Keines aber gedieh zur dauernden Prosperität ohnelanges Lehrgeld, ohue mannigfaches Auf und Nieder. Das,welches am glänzendsten ausschlug, war ein Zinkbergwerk inAsturien. Heute noch steht die Aktiengesellschaft Ario äss ^8wrissals ein seltenes Beispiel des Gelingens da. Aber welcheSchmerzensperioden hat sie seit ihrer nun bald fünfzig Jahrezurückliegenden Gründung durchzumachen gehabt; wie oft warman in Versuchung, sie aufzugeben, statt neue Kapitalien hinein-zustecken und vor allem, welche geschickte und gewissenhafte obersteLeitung gehörte dazu, das Unternehmen durch alle Klippen inden Hafen zu steuern. Jeden Gegner des Individualismus uudjeden gelahrten Verstaatlicher möchte man einmal mit seinemeigenen Wohl und Wehe an solchem Unternehmen interessieren,um ihn von seinen Abstraktionen zu kurieren. Nur aus diesemFelde, wo jeder Fehler sofort ins Fleisch schneidet, läßt sichlernen, wie allein ein der unendlichen Varietät der Fälle gewachsenerKopf und kein Mechanismus den Gang des Lebens richtigleiten kann.

Wenn in den Geschäften etwas an die Staatenlenkung er-innert, so ist es die Thätigkeit eines Verwaltungs- oder Aufsichts-rats bei Aktiengesellschaften. Ich habe deren viele an der Arbeitgesehen und kann meine Erfahrung nur dahin resümieren: zurSeite eines sähigen Direktors ist die Maschinerie überflüssig, zurSeite eines unfähigen, hilflos. Es sind immer nur einzelne, dieetwas machen, nie Kollektivitäten. Manchmal hat auch eine solcheRatsversammlung einen Mann von Kopf nnd Energie in ihrerMitte, der sich ihrer bemächtigt und dann nützlich wird, aber dieVielköpfigkeit kann nie Hand anlegen zur nützlichen That, unddie ganze Einrichtung des Aufsichtsrats hat in neun Fällenvon zehn uur den Zweck, einigen Begünstigten mühelose Ein-nahmen an Tantiemen zuzuführen. Ein mir befreundeter außer-ordentlich tüchtiger und erfahrener Fachmann pflegt scherzweisezu sagen, er wolle seinen SohnVerwaltungsrat" studierenlassen.

Ganz entbehrlich ist allerdings die Institution des Ver-waltnngsrats doch nicht, denn sie ist eigentlich dazu da, den all-gemeinen kommerziellen Beruf, das Nutzbringende zu schaffen und