zu überwachen, auszuüben, wozu die technische Leitung sehr ost, mankönnte sagen, beinah immer ungeschickt ist. Ein guter Präsident desVerwaltnugsrats, etwa mit einem tüchtigen Stellvertreter, ist un-entbehrlich. Der Rest ist reiner Ballast. Ein solcher Präsidentdarf sich auch nicht damit begnügen, wie die ehrsamen Aufsichts-räte nur allmonatlich behufs Eintragung iu die Präsenzliste undwegen der daraus resultierenden Emolumente in der Sitzung zuerscheinen, sondern er mnß das Unternehmen mit täglicher Sorg-salt betreiben, wie ein eignes Geschäft. Ich habe solche Arbeitin mehr als einem Fall in der Nahe gesehen und mit Bewunde-rung gelernt, was persönliche Leistung mit Scharfsinn, Energie,Ausdauer, namentlich in der Rettung verfahrener Gesellschaftenleisten kann (was man in Österreich Sanierung nennt). Dasfrappanteste Beispiel war mir die noch hente in gedeihlicherThätigkeit stehende Bergwerks- und Hüttengesellschaft für Ge-winnung von Blei und Zink in Stolberg in Westfalen .
In der Zeit des großen Bergwerksschwindels der fünfzigerJahre hatte einer der famosesten Schwindler jener Zeit, ein ge-wisser Marquis de Sassenay, eine Anzahl französischer und belgischerKapitalisten verführt, ihm in dieses Unternehmen zu folgen,welches mit einer namenlosen Verschwendung uud unter ent-sprechender Räuberei von oben bis unten zum großen Teil aufMinen in Ramsbeck im Sanerlande basiert wurde. GanzeDörfer wurden angelegt, und Arbeiter aus Sachsen herbeigeholtzu einem Betrieb, der natürlich nur dicke Verluste gab. Einerder Hauptangestellten verdankte seinen Posten dem Umstand, daßseine Frau die Maitresse des Marquis war. Als die Sachezusammenzubrechen drohte, mußte sich das Haus Bischoffsheim entschließen, ihr näher zu treten, weil es unvorsichtigerweise Vor-schüsse vou hohem Betrag auf Aktien gemacht hatte. Eines dersolidesten Antwerpener Häuser, die Firma Lemms ck Co., ur-sprünglich deutscher Abkunft, hatte im guten Glauben meinemBrüsseler Onkel Vertrauen in die Sache eingeflößt.
Es war eine meiner ersten Arbeiten anf diesem Gebiet, alsich von ihm mit dazu herangezogen wurde, dieses Chaos zu ent-wirren, und eine der ersten Ersahrnngslehren, die ich mir dabeifürs Leben einprägte, war die, daß man in wichtigen Dingen nie